Grundsatzpapier

Stand: Juli 2021

Politisches Verständnis

Wir verstehen uns als Gemeinschaft, die einen möglichst nachhaltigen sowie herrschafts- und diskriminierungsfreien Lebesstil anstrebt. Dies bedeutet für uns, sich gegen die Ausbeutung von Mensch, Tier und Umwelt einzusetzen und kontinuierlich Herrschaftsstrukturen sowie sämtliche Formen von Diskriminierung, Sexismus und Rassismus aufzudecken, abzubauen und zu verhindern. Um diesen Zielen näher zu kommen, setzen wir uns kritisch mit politischen und ökologischen Themen auseinander und hinterfragen dabei stets unser eigenes Verhalten, um es anzupassen. Neben diesen implizit politischen Handlungen, die unseren Alltag prägen, wollen wir jeodoch auch aktiv in die Gesellschaft wirken, d.h. wir verstehen uns selbst als politisch, aber weder dogmatisch noch parteipolitisch festgelegt.

Wir wollen tolerant und offen für Vielfalt sein. Intolerante Haltungen und Handlungen lehnen wir ab und setzen uns aktiv für ein vorurteilsfreies, offenes Miteinander ein, bei welchem alle teilnehmen können und sich nicht bedroht fühlen müssen. Unserer Meinung nach gibt es bei Toleranz kein klares “Gut/Richtig” und “Böse/Falsch”, sonderneine Vielzahl von Widersprüchlichkeiten, die Einzelfallentscheidungen erfordern. Deswegen gehört für uns die regelmäßige Auseinandersetzung mit diesem Thema dazu.

Die Kommune sehen wir dabei als Ort der freien Entfaltung und des Experimentierens für eine neue Lebens- und Gesellschaftsgestaltung. 

Miteinander und Kommunikation

Überall dort, wo Menschen zusammen kommen, kann es auch mal zu Spannungen und Konflikten kommen und Streiten kann dabei auch ein belebendes Element sein. Damit wollen wir konstruktiv umgehen und eine achtsame Streitkultur einüben, statt in einer Pseudo-Harmonie zu leben. Statt sich Wut unterschwellig anstauen zu lassen oder Streits aus dem Weg zu gehen, ist es uns wichtig, eine Atmosphäre zu schaffen, in der Konfliktthemen offen angesprochen werden können und dabei auch Raum für Emotionen ist. Wir wollen hierbei die Bedürfnisse aller achten, respektvoll und fair miteinander umgehen und uns auch in Fehlertoleranz üben. Dafür setzen wir uns auch mit Methoden wie beispielsweise Gewaltfreier Kommunikation (GFK) auseinander und sehen auch das Sozialplenum als Möglichkeit schwerwiegenden Konflikten vorzubeugen. Weiterhin setzen wir die Grundhaltung voraus, dass an einem Streit immer mindestens zwei Personen beteiligt sind und alle Beteiligten gleichermaßen verantwortlich sind, Spannungen anzusprechen und eine Einigung zu erzielen.

Entstehung von Hierarchie verhindern/vermeiden

Wir streben einen herrschaftsfreien Lebensstil an, versuchen also, kontinuierlich jegliche Form von Hierarchien zu erkennen, hinterfragen, abzubauen und möglichst von vorn herein zu vermeiden. Dies betrifft die Art, wie wir innerhalb der Kommune miteinander umgehen und gemeinsam Entscheidungen treffen. Wir sind uns jedoch bewusst, dass wir als Teil der Welt in einem globalisierten System mit all unseren Handlungen auch globale Verantwortung tragen, und wenden dieses Prinzip der Herrschaftsfreiheit auch über die Grenzen unserer Kommune hinaus an. Jede*r ist gleichermaßen für den Abbau von Hierachien verantwortlich. Herrschaftsfreiheit bedeutet für uns keine Gleichmacherei, sondern ermöglicht Vielfalt und freie Entfaltung.

Intern

Interne Hierarchien können beispielsweise durch den Umgang mit Alter, Erfahrung, finanziellen Mitteln, Kontakten, Zugang zu Informationen oder individuellen Verhaltensweisen entstehen.

Um dem entgegenzuwirken, treffen wir grundlegende Entscheidungen im Konsens oder Konsent, machen mindestens viermal jährlich ein Sozialplenum und führen eine gemeinsame Ökonomie. Weiterhin wollen wir auch bei Haus und Grundstück auf Zugang für alle achten und dies daher möglichst barrierefrei gestalten und miteinander in einer Sprache sprechen, die keine*n ausschließt.

Extern

Bei all unseren Handlungen sind wir in externe Hierarchien eingebettet, und meistens profitieren wir davon. Zum Beispiel resultieren viele Produkte und ihr Preis aus Menschenrechtsverletzungen wie Sklaverei oder Kinderarbeit. Daher legen wir Wert auf nachhaltige und faire Produktion.

Der Anspruch von internem und externem Hierarchieabbau kann auch zu Spannungen führen, da der Maßstab, Verantwortung für die Welt zu tragen, nicht dazu führen darf, dass wir uns gegenseitig in unseren individuellen Freiheiten einschränken. Wir versuchen daher gemeinsam, Verbesserungspotenziale aufzuzeigen und miteinander ins Gespräch über Ungerechtigkeiten zu kommen. Das erfordert einerseits eine gewisse Fehlertoleranz und andererseits auch die Bereitschaft, eigene Verhaltensweisen stets zu hinterfragen und zu ändern. 

Gemeinsame Ökonomie

Wir wollen eine gemeinsame Ökonomie leben. Und das heißt für uns: Allen gehört alles gemeinsam. Zu dieser Entscheidung sind wir gekommen, weil uns bewusst ist, dass in dieser Welt, in der wir leben, vieles “zufällig” durch Geburt verteilt ist. Dazu gehört die Tatsache, in welches Land – arm oder reich – wir geboren werden, ob unsere Eltern wohlhabend sind, welche Bildungsmöglichkeiten wir haben, aber auch, welche Hautfarbe wir haben, wie gesund wir sind und welche Fähigkeiten wir mitbekommen haben.

Das alles wirkt sich auf unser Einkommen, unseren Wohlstand und damit viele unserer Lebensbedingungen aus. Da wir Gleichberechtigung anstreben, wollen wir die individuelle finanzielle Situation durch die gemeinsame Ökonomie von diesen zufälligen Startbedingungen entkoppeln.

Mehr zu unserer Vorstellung einer gemeinsamen Ökonomie.

Ökologie

Unsere Umwelt ist uns wichtig, und wir wollen sie erhalten und schützen. Wir orientieren uns an einem nachhaltigen Umgang mit Ressourcen, der diese möglichst lange erhält und so wenig wie möglich zerstört. Bei allem, was wir tun, wollen wir die Folgen für die Umwelt berücksichtigen und unser Verhalten danach ausrichten, den ökologischen Schaden so gering wie möglich zu halten. Dabei ist uns klar, dass wir oft zwischen unseren Interessen und Bedürfnissen auf der einen Seite und Umweltfolgen auf der anderen Seite abwägen müssen. Das wirkt sich auf alle Bereiche unseres Lebens aus: Ernährung und Konsum, Umgang mit Haus und Grundstück, Mobilität und Freizeitgestaltung. Sharingkonzepte, Reusing, Re- und Upcylcing und Müllvermeidung unterstützen uns dabei.Ökologie darf aber nicht nur im Kleinen gedacht werden, sie muss über die Region hinaus auch unseren Planeten mit einbeziehen. Wir wollen uns insbesondere auch mit globalen Folgen auseinandersetzen. Dazu gehört für uns, dass wir unseren ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich halten wollen, möglichst Unternehmen unterstützen, welche ökologisch nachhaltig handeln, und uns generell für den Klimaschutz engagieren.

Kritischer Umgang mit Tierhaltung

Wir wollen uns kritisch mit den Systemen hinter der Tierhaltung auseinandersetzen. Das System von Züchtung und einseitigen Abhängigkeits- und Ausbeutungsverhältnissen zwischen Menschen und Tieren wollen wir nicht unterstützen. Das Mitbringen von Tieren, welche bereits vorher in “Besitz” waren, ist grundsätzlich möglich. Über für die Aufnahme eines neuen Haus- oder Nutztieres in die Gemeinschaft, entscheidet die Gemeinschaft nach einer kritischen Auseinandersetzung mit unserem Umgang mit und Einfluss auf das Tier, sowie dem Einfluss des Tieres auf die Gemeinschaft und das Ökosystem. Dabei wollen wir keine Tiere an- oder gar abschaffen, sondern wenn dann mit ihnen in respektvollem Umgang gemeinschaftlich zusammenleben (z.B. gnadenhofähnliche Verhältnisse für Tieren, die ein Zuhause brauchen bieten).

Ernährung

Wir streben eine ökologisch und sozial nachhaltige Ernährung an, nach den Grundsätzen:
Regional, saisonal, unverpackt, fair-trade, bio oder aus Verwertungskreisläufen entzogen (z.B. durch Foodsharing oder Containern)
Gemeinsame Mahlzeiten sehen wir als verbindendes Element und versuchen dafür täglich zusammen zu kommen und uns Zeit zu nehmen. Wenn für alle gekocht wird geschieht dies grundsätzlich vegan, alles weitere wird gekennzeichnet.

Kindererziehung

Wir sehen Kinder als vollwertige, bzw. gleichberechtigte Mitglieder, deren Meinung auch (insbesondere) bei sie selbst betreffenden Entscheidungen berücksichtigt wird. Durch eine art Kinderplenum sollen sie eigene Entscheidungen treffen und durch Deligierte bei grundsätzlichen Entscheidungsprozessen mitwirken können. Sobald sich ein Kind dazu in der Lage fühlt und den Wunsch danach hat, darf ganz regulär an den Entscheidungsprozessen mitgewirkt werden. Analog zu allen anderen Personen übernehmen Kinder im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch Aufgaben und tragen Verantwortung. Die Kindererziehung wird als Gemeinschaftsaufgabe gewürdigt. Neben den Eltern sind auch andere Erwachsene als Bezugspersonen gewünscht.

Drogen

Wir erwarten Nüchternheit als Normalzustand, wollen aber einen kritischen und verantwortungsvollen Umgang mit Rauschmitteln, wie z.B. Alkohol nicht tabuisieren.